Atomausstiegsinitiative: Wichtiges Nein für die Umwelt und die Schweizer Energiepolitik

Die Stiftung Energy for Humanity hat sich in den letzten Monaten in den Abstimmungskampf um die Atomausstiegsinitiative eingebracht, weil eine Ablehnung der Initiative für den Klimaschutz und die Versorgungssicherheit in der Schweiz wichtig war. Wir freuen uns, dass das Schweizer Stimmvolk heute Nein zu einer frühzeitigen Abstellung und einem Verbot der Nutzung der Kernenergie gesagt hat.

Energy for Humanity wird sich nun weiter für die grossen Herausforderungen der geplanten Energiestrategie einsetzen, die Kernenergie als Teil der Lösung einbringen und dabei folgende Ziele verfolgen:

  • Das Erreichen der festgelegten Klimaschutzziele soll höchste Priorität geniessen.
  • Der Bau von grossen Gas-Kraftwerken in der Schweiz muss verhindert werden.
  • Die hervorragende Versorgungssicherheit muss weiter gewährleistet sein.
  • Die gesammelten Erfahrungen und Analysen der Energiewende in anderen Ländern sollen weiterhin eingebracht werden, damit in der Schweiz nicht die gleichen Fehlentwicklungen wie beispielsweise in Deutschland stattfinden.

Mit dem heutigen Entscheid ist für Energy for Humanity noch klarer, dass eine künftige Energiestrategie auch fortgeschrittene Kerntechnologien eindenken sollte. Die Stiftung will diesbezüglich das vorhandene Expertenwissen in die Diskussion rund um die Energiestrategie einbringen. Im zweiten Quartal 2017 plant Energy for Humanity hierfür einen ersten öffentlichen Energiedialog, zu dem bekannte Wissenschaftler und Experten eingeladen werden.

Eine Annahme der Ausstiegsinitiative wäre für die Schweiz verheerend

Energy for Humanity setzt sich für eine klimaschonende und sichere Energie- und Stromversorgung ein. Das Schweizer System gehört weltweit zu den allerbesten. Ein „Ja“ zur Atomausstiegsinitiative würde das System mutwillig zerstören. Fünf für die Schweiz gravierende Folgen würden eintreten:

1. Nichterreichen der Klimaschutzziele und Schaden für die Umwelt: Der heute praktisch CO2-freie Stromerzeugungsmix aus Wasserkraft, Kernenergie und einem kleinen Teil neue Erneuerbare würde wegen der Atomausstiegsinitiative zu mehr (fossilen) Importen aus Deutschland und (nuklearen) Importen aus Frankreich führen.

2. Bau von grossen Gas-Kraftwerken in der Schweiz: Aufgrund des schnellen Wegfalls von gesicherter Stromkapazität im Winter müssten 5 bis 9 Gaskraftwerke à 550 Megawatt gebaut werden. Das erste müsste gemäss den Szenarien des Bundesamts für Umwelt BAFU womöglich bereits bis 2020 gebaut sein.

3. Verschlechterung der Versorgungssicherheit: Durch erhöhte Auslandsabhängigkeit und höhere Belastung der Netze kommt es zu einer Verschlechterung der Schweizer Versorgungssicherheit. Das Risiko einer langanhaltenden Strommangellage, dem für die Schweiz gemäss dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz höchsten Risiko, würde weiter steigen. Die Schweiz geht somit unnötig und fahrlässig ein enormes Risiko für Wirtschaft und Gesellschaft ein.

4. Verzerrung des Strommarkts und hohe Kosten durch Verlust von 320 TWh und nötigem Ersatz: Den schnellen Wegfall von grossen Strommengen zu ersetzen erfordert massive Eingriffe in den Markt, ähnlich wie in Deutschland. Die Atomausstiegsinitiative führt kumuliert zu einem Verlust von 320 TWh Schweizer Strom (Marktwert 2015: 15 Mrd. EUR). Ein grosser Teil des Ersatzes kommt aus dem Ausland. Der inländische Ersatz wird zusätzlich Milliarden von Franken kosten (KEV-Strom wurde 2015 bereits mit 250 Mio. Franken über Marktpreis subventioniert). Die Auswirkungen dieser Planwirtschaft werden auch der Schweizer Wasserkraft weiter schaden.

5. Netzausbau unter extremem Zeitdruck: Die Durchführung der Projekte für den nötigen Netzausbau der Energiestrategie 2050 ist schon jetzt eine grosse Herausforderung für die Swissgrid. Mit dem chaotischen und ungeplanten Ausstieg wird der Zeitdruck noch extremer. Die Gefahr von Netzausfällen nimmt zu, da der notwendige Netzausbau kaum zeitgemäss erfolgen kann.

Darum NEIN am 27. November!

Energy for Humanity hofft, dass sich alle Stimmberechtigten diesen Auswirkungen bewusst sind. Es gilt in den verbleibenden Tagen dafür zu sorgen, dass alle ihre Stimmmöglichkeit wahrnehmen und die Gefahren der Initiative mit einem vernünftigen NEIN abwenden. Mit der B-Post und den vorfrankierten Stimmcouverts gilt Dienstag, 22. November als letzter Abgabetermin. Per A-Post kann das Stimmcouvert bis spätestens am Donnerstag aufgegeben werden.

Die Atomausstiegsinitiative ist extrem schädlich für die Schweiz und die Prognosen gehen von einem knappen Ergebnis aus. Daher zählt jede Stimme!

 

 

 

Ständerat Ruedi Noser warnt vor enormen Kosten der Ausstiegsinitiative

Der Zürcher Ständerat Ruedi Noser setzt sich im Patronatskomitee von Energy for Humanity gegen die Atomausstiegsinitiative der Grünen ein, über die am 27. November abgestimmt wird. Im Gespräch hält er fest, weshalb das Schweizer Stimmvolk gut beraten ist, ein NEIN zu weniger Versorgungssicherheit und hohen Kosten in die Urne zu legen. Er plädiert dafür, mit Ratio statt mit Emotio abzustimmen.

Die Meinungsumfragen gehen seit Wochen von einer Zustimmung zur Atomausstiegsinitiative aus – wie erklären Sie sich das?
Die Zustimmung überrascht mich nicht. Sie zeigt viel mehr, dass es uns noch nicht ausreichend gelungen ist, aufzuzeigen, dass der Atomausstieg mit der Energiestrategie 2050 bereits beschlossen ist. Wir stimmen am 27. November nur darüber ab, bis wann wir aussteigen, und nicht, ob wir aussteigen. Ich glaube die Umfragewerte zeigen vor allem, dass die Schweizer Bevölkerung den Atomausstieg will. Es ist aber wichtig, dass wir das vernünftig planen und koordiniert umsetzen. Ich hoffe daher, dass das Schweizer Stimmvolk schlussendlich Nein sagen wird, also mit Ratio und nicht mit Emotio abstimmt.

Was meinen Sie damit?
Ich kann nachvollziehen, dass einige ein Zeichen setzen wollen, dass einige befürchten, der Ausstieg gehe ansonsten nicht schnell genug vonstatten, dass einige im Sinne des Umweltschutzes unsere Kernkraftwerke möglichst rasch abschalten möchten oder dass Bilder von Fukushima oder Tschernobyl noch in den Köpfen haften. Aber diese Emotionen dürfen keinen Einfluss auf die richtige und vernünftige politische Lösung haben. Die Initiative will nächstes Jahr bereits drei Kernkraftwerke abschalten. Dieser chaotische und ungeplante Ausstieg ist für uns gefährlich. Bereits die Ziele und der geplante Ausstieg innerhalb der Energiestrategie 2050 sind ambitiös. Aber diese Initiative toppt dies nochmals auf gefährliche Weise.

Wo sehen Sie die grösste Gefahr?
Die enormen Kosten und volkswirtschaftlichen Auswirkungen werden verharmlost. Bereits in der Energiestrategie 2050 wird mit Gaskraftwerken – und damit massivem CO2-Ausstoss – gerechnet und mit Subventionen in Milliardenhöhe. Das UVEK rechnet mit Mehrkosten von rund 30 Milliarden Franken bis 2050. Eine raschere Abschaltung der KKW würde noch mehr Gaskraftwerke notwendig machen und das ganze Paket nochmals massiv verteuern. Das zahlt schlussendlich der Steuerzahler und geht zulasten von anderen, ebenfalls wichtigen Investitionen. Statt diese Auswirkungen zu thematisieren, träumen alle von einer Schweiz mit ausschliesslich erneuerbaren Energien. Es brauche Druck und wir schaffen es, ist der Tenor. Das ist eine gefährliche und fahrlässige Haltung. Wir müssen uns der Konsequenzen eines Ja bewusst sein. Es ist völlig illusorisch, innert nur eines Jahres so gewaltige Produktionskapazitäten aus dem Boden zu stampfen. Heute dauert es teilweise Jahrzehnte, bis die notwendigen Stromnetze gebaut sind oder neue Wasserkraftwerke oder Windturbinen ans Netz gehen können.

Was ist der Vorteil der von Ihnen angesprochenen Energiestrategie 2050 gegenüber der Atomausstiegsinitiative?
Sie ist geplant und mit Szenarien abgestützt. Zudem wird die Energiestrategie 2050 von links bis rechts mitgetragen, was aufzeigt, dass sie eine ideologiefreie Vernunftlösung für unsere zukünftige Energiepolitik darstellt. Der Umbau der Energieversorgung ist notwendig. Aber er muss für Bevölkerung und Unternehmen tragbar sein. Eine sichere Versorgung mit Strom ist für uns alle existenziell. Mit der überhasteten Ausstiegsinitiative setzen wir diese Versorgungssicherheit aufs Spiel.

Was gilt es bis zum Abstimmungssonntag vom 27. November noch zu tun?
Es gilt das zu tun, was es immer zu tun gilt bei knappen Abstimmungen: überzeugen, überzeugen, überzeugen und sicherstellen dass alle aus dem eigenen Umfeld auch effektiv das Nein in die Urne legen. Noch bleibt uns genügend Zeit, die Schweiz vor den teuren und gefährlichen Konsequenzen einer Annahme zu bewahren.

„Es braucht alle CO2-neutralen Energieträger, um den Klimawandel zu stoppen“

Kommentar von Kirsty Gogan,
Umweltaktivistin und Mitgründerin von Energy for Humanity

Gegen Atomkraft zu sein ist für eine Umweltaktivistin eigentlich ein Muss. Dennoch setze ich mich seit Jahren dafür ein, dass die Atomkraft als Teil der Lösung der Klimakrise gesehen wird. Denn unsere globalen Klimaziele sind nur erreichbar, wenn wir auf der ganzen Welt die Energieerzeugung aus fossilen Energieträgern entschieden bekämpfen.

Ich bin Mutter von kleinen Kindern in London. Mein grösster Kampf gilt dem Klimawandel. Denn ich möchte nicht, dass meine Kinder aufwachsen und mich später fragen, warum ich nicht alles getan habe, um den sich beschleunigenden Klimawandel zu verhindern. Ich sehe mich in der Verantwortung, alles daran zu setzen, den Klimawandel so schnell wie möglich zu stoppen. Dazu gehört für mich, auch auf unpopuläre Massnahmen und Energiequellen zu setzen. Ich bekenne mich darum trotz oder gerade wegen meines Bekenntnisses zum Umweltschutz für die Kernenergie. Nicht aus Überzeugung, aber aus mangelnden Alternativen und einer Abwägung von Vor- und Nachteilen.

Verheerende Konsequenzen des Klimawandels
Der Klimawandel ist für mich aus umweltpolitischer Sicht die grösste Gefahr – weit grösser als die Abfallproblematik der Kernenergie. Die Temperaturwerte steigen weltweit an. Das führt zu extremen Wetterereignissen und zunehmenden humanitären Krisen. Schlimme Dürren und Überschwemmungen verschlechtern die Nahrungsmittelproduktion in armen Gebieten. Die Luftverschmutzung nimmt kontinuierlich zu. Diese Probleme müssen wir anpacken und lindern. Hier stehen wir alle in der Verantwortung.

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Wie aber können wir diese Probleme lösen? Was kann eine Einzelperson ausrichten? Wie schaffen wir es, dass die Erderwärmung nicht mehr als 2°C ansteigt? Die Antwort ist wissenschaftlich bereits seit Jahren bekannt; wir müssen alles daran setzen, fossile Brennstoffe zu reduzieren und mit sauberem Strom zu ersetzen. Das heisst Energieeffizienz und Fokus auf Wasserkraft, Photovoltaik, Wind – und Kernenergie?

Kernenergie darf aus Klimaschutzgedanken nicht verteufelt werden
Ich muss zugeben, dass ich mir schwergetan habe, Kernenergie in diese Liste aufzunehmen. Als Umweltaktivistin war es tief in mir verwurzelt, gegen Atomkraft zu sein. Es hat lange gedauert und viele Gespräche und Recherchen benötigt, bis ich den Daten und Fakten der Kernenergie vorbehaltlos gegenübertreten konnte. Ich habe die Lücken zwischen Ideologie und Fakten hinterfragt. Ich habe die Risiken der Kernenergie mit den Risiken des Klimawandels verglichen. Und ich habe meine Meinung geändert. Es ist nicht einfach, seine Meinung zu ändern. Besonders nicht bei diesem emotionalen und in der Gesellschaft kontrovers diskutiertem und negativ assoziiertem Thema. Ich fühlte mich plötzlich wie eine Aussenseiterin in meinem Freundeskreis. Und dennoch. Ich war und bin überzeugt davon, dass es das wert war und ich richtig handelte.

Wahl zwischen Pest und Cholera?
Mittlereile bin ich nicht mehr alleine. Wegen des Klimawandels anerkennen mehr und mehr Menschen den Nutzen der Kernenergie. Die Frage, ob diese Technologie ein Teil des klimaschonenden Energiemix der Zukunft sein soll, führt aber zu Spannungen in der Umweltbewegung. Viele sehen es als eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Dennoch ändern ehemalige Kernkraftgegner ihre Meinung, da sie sehen, dass die Strahlungsängste (hier empfehle ich das Studium der WHO-Berichte zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Tschernobyl und Fukushima) teilweise übertrieben sind und die Gefahr des Klimawandels gleichzeitig unanfechtbar geworden ist. Die Daten und Fakten sprechen für die Kernenergie, eine gleich leistungsstarke und umweltfreundlichere Alternative gibt es (noch) nicht.

Das Problem des Klimawandels zu lösen ist eine moralische Verantwortung und dringlich. Unsere Generation hat die Chance etwas zu bewirken, wenn wir jetzt handeln. Wissenschaftler sehen die Gefahr von permanenten Veränderungen als wahrscheinlich an: Schmelzende Gletscher und Polkappen, zu rasche Veränderung der Ökosysteme, auf denen unser gesamtes Leben basiert. Auch wenn wir es in Europa bis anhin nicht unmittelbar spüren, früher oder später werden wir mit den Konsequenzen des Klimawandels konfrontiert.

Kampf gegen Klimawandel wichtiger als Ideologien
Darum gilt es jetzt wo immer möglich zu Handeln. Von der Kernenergie will die Schweiz in Zukunft absehen. Warum nicht? Wenn die Schweiz es schafft, zukünftig vollkommen auf Erneuerbare Energien zu setzen, es wäre ein Vorzeigeprojekt! Aber bis es soweit ist und diese Kapazitäten ausgebaut sind, sollte die Kernenergie beibehalten und keine Gaskraftwerke gebaut oder Braunkohle-Produktion in Deutschland gefördert werden. Klimawandel ist ein globales Problem. Wir müssen weltweit mit allen Mitteln und Möglichkeiten, die wir zur Verfügung haben, dagegen ankämpfen. Ich bin gespannt auf den Ausgang der Volksabstimmung in der Schweiz. Kämpfen wir gemeinsam dafür, dass unsere Kinder und alle nachfolgenden Generationen in einer guten und sauberen Welt aufwachsen können.

Frontalangriff auf unsere Wirtschaft und unsere Umwelt

Daniel Aegerter: „Die Atomausstiegs-Initiative ist ein Frontalangriff auf unsere Wirtschaft, aber vor allem auch auf unsere Umwelt“

Energy for Humanity Mitbegründer Daniel Aegerter erläutert im Interview mit der Gewerbezeitung, was es mit der heuchlerischen Atomausstiegs-Initiative auf sich hat und wieso sie zu einer krassen Fehlentwicklung führt.

 

Stromschwemme hilft der Versorgungssicherheit nicht

Ein chaotischer und unnötiger Sofortausstieg setzt die Schweizer Versorgungssicherheit auf's Spiel. Der Ausblick der Eidgenössischen Elektrizitätskommission ElCom zum kommenden Winter sowie eine Analyse der Stromsituation Deutschland untermauern dies eindrücklich. Die Schweiz tut gut daran, ihre Autonomie auf dem Strommarkt nicht komplett aufzugeben.

Die Schweizer Stromversorgung ist zum Glück eine der sichersten der Welt. Es passieren nur wenige Stromausfälle. Auch besonders schwierige Situationen können gemeistert werden, so wie die Winterknappheit 2015/2016, als die Blöcke Beznau 1 und Beznau 2 nicht am Netz waren.

Bedeutet dies nun, dass die Schweizer Stromversorgung eine Selbstverständlichkeit ist? Brauchen wir die Kernkraftwerke gar nicht? Wäre es sogar besser, wenn die Werke, wie es die Atomausstiegsinitiative verlangt, frühzeitig abgestellt werden, damit sie nicht mehr ausfallen können? Nein, das wäre völlig vermessen und grobfahrlässig.

So gibt die Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom in Ihrem letzten Newsletter vom 27. Oktober 2016 einen Ausblick auf die zu erwartenden Herausforderungen der Versorgungssituation im Winter 2016/2017:

Obwohl zeitweise eine "Stromschwemme" vorherrscht, gerät Deutschland durch den grossen Anteil nicht längerfristig vorhersehbarer Produktion teilweise in kritische Situationen. Dabei verlässt sich Deutschland darauf, dass die Nachbarländer zur Hilfe eilen und die Stromversorgung für die fehlerhafte Energiepolitik Deutschlands sicherstellen. Nach Polen und der Tschechischen Republik ist nun Österreich bereits das dritte Nachbarland, das den Stromhandel mit Deutschland begrenzen will, wie der Spiegel berichtet.

Dies könnte dazu führen, dass die Schweiz in Zukunft noch mehr Hilfe für Deutschland leisten muss, als sie es jetzt bereits tut. Beispielsweise sei hier die Situation in der Kalenderwoche 41 vom 10. Oktober 2016 bis 16. Oktober 2016 aufgezeigt (Quelle der Stromerzeugungsgrafiken: Energy Charts):

Vor diesem Hintergrund ist sorgfältig abzuwägen, ob man unnötig und planlos am eigenen System operiert, obwohl die Randbedingungen bereits eine grosse Herausforderung darstellen. Ein sofortiger und chaotischer Ausstieg aus der Kernenergie setzt die Schweizer Versorgungssicherheit auf's Spiel und macht uns unnötig abhängig vom ausländischen Strommarkt. Es braucht daher dringend ein NEIN zur Atomausstiegsinitiative am 27. November 2016.

 

Saubere Luft dank dem Schweizer Strommix

Die wenigsten Länder verfügen heute über einen so klimafreundlichen Strommix wie die Schweiz. Der sofortige Ausstieg aus der Kernenergie gefährdet diese Spitzenposition. Emotionen, Ideologien und Vorurteile verhindern eine ehrliche Debatte um eine sinnvolle und klimafreundliche Schweizer Stromversorgung und die Reduktion von fossilen Brennstoffen.

Umweltschutz ist wichtig, Klimaziele sollen erreicht, Biodiversität muss bewahrt, nachhaltige Energien sollen gefördert und der ökologische Fussabdruck reduziert werden: In vielem ist sich der Grossteil der Gesellschaft, Wirtschaft und Politik einig. Schliesslich wollen wir den kommenden Generationen eine intakte Welt hinterlassen. Wenn es jedoch darum geht, wie das erreicht wird, werden leider oft Emotionen, Ideologien und Vorurteile höher gewichtet als verifizierte wissenschaftliche Zahlen, Daten und Fakten. Hier will Energy for Humanity gegensteuern und eine ehrliche und ideologiefreie Debatte über die Schweizer und weltweite Energiestrategie fördern – wie es der leider kürzlich verstorbene David MacKay, Professor für Ingenieurwissenschaften in Cambridge, vorgemacht hat. In seinem beeindruckenden Buch «Sustainable Energy– without the hot air» (frei im Internet erhältlich, auch auf Deutsch) hat er verschiedene Szenarien für die Energieerzeugung Englands entwickelt und mit Zahlen und Konsequenzen für das Klima untermauert.

Klimaziele vor allem durch saubere Stromproduktion erreichbar
Das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), der Weltklimarat der Vereinten Nationen, hält fest, dass schlechte Luftqualität das viertgrösste Gesundheitsrisiko ist und dasss deshalb jährlich 6,5 Millionen Menschen vorzeitig sterben. Ausserdem braucht es grosse Anstrengungen, um die Ziele der Pariser Klimakonferenz zu erreichen. Besonders wichtig ist dabei die Stromproduktion mittels sauberen Energiequellen. Gemäss dem IPCC werden 25% der klimaschädlichen Emissionen weltweit durch die Produktion von Strom und Wärme ausgestossen, d.h. durch Verbrennung von Kohle, Gas oder Erdöl. Die Reduktion von fossilen Brennstoffen ist deshalb ein entscheidender Schritt im Kampf gegen den Klimawandel.

Auch die Nahrungsmittelproduktion, das weltweite Bevölkerungswachstum und unser Mobilitätsverhalten beeinflussen ebenfalls den CO2-Ausstoss. Hier etwas zu ändern ist jedoch schwieriger. Fossile Brennstoffe können jedoch gut durch sauberen Strom ersetzt werden. Und in der Schweiz haben wir sauberen Strom. Vor dem Hintergrund der grossen Herausforderung des Klimawandels sollten wir uns keiner Option verschliessen und uns nicht zu ideologischen oder unüberlegten Schnellschüssen wie der Atomausstiegsinitiative verleiten lassen.

Die sofortige Abschaltung von Kernkraftwerken hätte stark negative Konsequenzen für die Schweizer Klimapolitik
Für die Schweiz hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) 2015 in einer Studie einen Ausblick auf mögliche Entwicklungen der Treibhausgasemissionen gegeben. Verschiedene politische Grossprojekte (z.B. Kraftwerkspark, Gebäudestandards, Mobilitätsstrategie) beeinflussen die Entwicklung. Die Studie zeigt die Konsequenzen verschiedener Optionen in drei Szenarien. Im schlechtesten Szenario beträgt die Abnahme der Treibhausgasemissionen im Jahr 2050 rund 15% gegenüber 1990, im mittleren Szenario sind es etwas mehr als 40% und im besten Szenario, wo von einer international koordinierten Klimapolitik ausgegangen wird, beinahe 70%.

Beim mittleren und schlechtesten Szenario fallen gemäss BAFU vor allem die Emissionen von neuen Schweizer Gaskombikraftwerken stark ins Gewicht. Die Art der Stromerzeugung hat einen grossen Einfluss auf die Treibhausgasemissionen. Ein sofortiger Ausstieg aus der Atomenergie würde deshalb das beste Szenario praktisch verunmöglichen. Denn einerseits würde der Import von Kohlestrom gefördert und andererseits wäre der schnelle Bau von Gaskraftwerken wohl unumgänglich. Sicher ist: Je früher unsere Kernkraftwerke abgeschaltet werden, desto schwieriger wird es, die Klimaziele zu erreichen.

Wem unsere Umwelt ein Anliegen ist, sagt am 27. November NEIN
Dass ausgerechnet Umweltverbände und grüne Politiker die Atomausstiegsinitiative unterstützen, ist daher bedenklich. Wem unsere Umwelt und der Kampf gegen den Klimawandel wirklich ein Anliegen ist, der kämpft mit uns für eine weltweit klimafreundlichere Energiepolitik und sagt am 27. November NEIN zur Atomausstiegsinitiative!

Weitere Informationen:

Kampagne lanciert: Wir wollen unser Klima schützen

Energy for Humanity hat heute eine schweizweite Kampagne gegen die Atomausstiegsinitiative gestartet. Auf Plakaten und Inseraten werden die Schweizerinnen und Schweizer gefragt, ob sie tatsächlich Kohlestrom importieren, einen Strommangel im Winter riskieren, den Klimawandel beschleunigen oder Fortschritt verbieten wollen. Energy for Humanity will damit aufzeigen, dass ein "Ja" zur Atomausstiegsinitiative einen massiv negativen Einfluss auf unsere klimafreundliche, sichere und technologieoffene Energiepolitik hätte. Die Antworten auf die Fragen und Gründe, warum die Atomausstiegsinitiative abgelehnt werden muss, können hier nachgelesen werden.

Elektrifizierung wird Stromverbrauch weiter ansteigen lassen

Der Ersatz von Benzinmotoren durch Elektromotoren ist eine grosse Chance für die Umwelt. Das Potenzial einen Grossteil der CO2-Belastung einzusparen, kann aber nur ausgeschöpft werden, wenn die Stromproduktion weiterhin klimafreundlich erfolgt. Bei einem Ja zur Atomausstiegsinitiative würde jedoch genau dies aufgegeben werden.

Unsere Gesellschaft wird im Alltag immer stärker durch elektrische Hilfsmittel unterstützt. Neben den bereits heute intensiv genutzten Wärmepumpen, Kühlschränken oder Waschmaschinen werden insbesondere die Elektromobilität, Smart Homes oder Breitbandausbau für noch mehr Stromverbrauch sorgen. Die Elektromobilität hat heute in der Schweiz einen noch sehr kleinen Marktanteil von 1,7 Prozent. Diverse Hersteller planen jedoch neue Modelle mit elektrifiziertem Antrieb. Angebot und Nachfrage werden dank Innovationen und tieferen Preisen weiter zunehmen. Diese Entwicklung ist äusserst positiv, da der Transport für rund 36% des schweizweiten Kohlendioxid-Ausstosses verantwortlich ist.

Der Transport betankt durch Erdölprodukte (orange) macht 36.4% des Endenergieverbrauchs aus und stösst dabei sehr viel CO2 aus. Der mit Wasserkraft (dunkelblau) und Kernbrennstoffen (grün!) erzeugte Strom versorgt Haushalte, Industrie und Dienstleistungen mit CO2-freiem Strom (hellblau). Auch der Transport sollte umgestellt werden! (Quelle Grafik: Schweizerische Gesamtenergiestatistik)

Der Transport betankt durch Erdölprodukte (orange) macht 36.4% des Endenergieverbrauchs aus und stösst dabei sehr viel CO2 aus. Der mit Wasserkraft (dunkelblau) und Kernbrennstoffen (grün!) erzeugte Strom versorgt Haushalte, Industrie und Dienstleistungen mit CO2-freiem Strom (hellblau). Auch der Transport sollte umgestellt werden! (Quelle Grafik: Schweizerische Gesamtenergiestatistik)

Der Ersatz von Benzinmotoren durch Elektromotoren ist jedoch nur sinnvoll, wenn der verwendete Strom auch sauber produziert wird. Dank dem heutigen Energiemix der Schweiz aus 60% Wasserkraft, 33% Kernenergie und 2% Erneuerbaren Energien, einem der umweltfreundlichsten Erzeugungssysteme der Welt, ist ein Elektroauto hier in der Schweiz auch wirklich umweltfreundlich. Ein Tesla, der hingegen in Ländern wie beispielsweise Polen oder Deutschland geladen wird, die ihren Strom zu 90% bzw. zu 41% aus Kohle erzeugen, ist zurzeit leider umweltschädlicher als ein herkömmliches Benzinauto. Die Schweiz benötigt daher zwingend eine weiterhin klimafreundliche Stromversorgung, damit die Elektrifizierung unsere Umweltziele nicht bedroht.

Die Atomausstiegsinitiative würde jedoch genau dies torpedieren und den heute umweltfreundlichen Strommix aufgeben. Wir könnten den CO2-freien Atomstrom nicht genügend schnell mit alternativen, ebenfalls sauberen Energieträgern ersetzen und müssten in hohem Masse dreckigen Kohle- und Gasstrom aus dem Ausland importieren. Der Abbau der Kernenergie und Ausbau der Erneuerbaren braucht eine saubere Planung und muss schrittweise erfolgen. Nur so hat die Schweiz genügend Zeit, E-Mobility zugunsten von Umwelt und Klima zu nutzen.

 

Warum sich Energy for Humanity für ein NEIN zur Atomausstiegsinitiative einsetzt

Energy for Humanity setzt sich für eine klimafreundliche Energiestrategie ein. Der chaotische und ungeplante Ausstieg aus der Kernenergie in der Schweiz, wie ihn die Atomausstiegsinitiative fordert, hätte massive und negative Konsequenzen für die hiesige Energiepolitik. Die Versorgungssicherheit wäre gefährdet, dreckiger Kohlestrom müsste importiert und möglicherweise CO2-emittierende Gaskraftwerke gebaut werden. Warum Energy for Humanity das Schweizer Stimmvolk vor den negativen Konsequenzen der Atomausstiegsinitiative warnen will, beleuchtet das Portrait von Mitgründer Daniel Aegerter in der NZZ am Sonntag. Und am kommenden Montag, den 24. Oktober startet die Energy for Humanity Plakatkampagne.

Link zum Artikel (NZZ am Sonntag, 9. Oktober 2016)

Eine Kugel Eis für den Klimaschutz

“Deutschland macht es vor, warum soll es nicht auch bei uns gehen?” – Dies war letzte Woche in der Zeitung als Tenor der Befürworter der Schweizer Atomausstiegsinitiative zu lesen.

Was genau macht Deutschland denn mit der Energiewende vor? Leider nichts gutes: Desaströse Planung, völlig aus dem Ruder laufende Kosten und einen weiterhin klimaschädlichen Strommix.

"Es bleibt dabei, dass die Förderung erneuerbarer Energien einen durchschnittlichen Haushalt nur rund 1 Euro im Monat kostet - so viel wie eine Kugel Eis" versprach Jürgen Trittin noch im Jahre 2004 (Quelle: BUMB). Teilt man die EEG Förderung von derzeit 23 Mrd. EUR pro Jahr durch die 40 Millionen Haushalte in Deutschland kommt man auf 48 EUR pro Monat. Eine ziemlich teure Kugel Eis!

"Die EEG-Umlage soll nicht über ihre heutige Größenordnung hinaus steigen; heute liegt sie bei etwa 3,5 Cent pro Kilowattstunde" verkündet Angela Merkel in Ihrer Regierungserklärung 2011. Für 2017, sechs Jahre später, rechnet die Organisation Agora Energiewende bereits mit dem Doppelten (7 ct./kWh). Das Institut der Wirtschaft in Köln rechnet in einer kürzlich erschienenen Studie gar mit einem Anstieg auf bis zu 10 ct./kWh in den kommenden Jahren. Mehr als das doppelte des derzeitigen Strommarktpreises. Die Endkunden – untere und mittlere Einkommensschichten - müssen am meisten bluten.

In Bezug auf die Gesamtkosten wurde schon 2013 die Zahl von einer Billion Euro ins Spiel gebracht. Eine Million Millionen. Dies wird wohl nicht reichen. Gemäss einem Artikel in der gestrigen Zeitung Die Welt werden die Kosten der Energiewende bis 2025 bereits mindestens 520 Milliarden EUR betragen.

Kosten sind aber zweitrangig beim Umweltschutz, wird entgegnet. Gut, dann schauen wir doch, was unabhängig von diesen Kosten erreicht wurde: Mehr Klimaschutz? Weniger fossile Kraftwerke? Fehlanzeige. Nach 2011 wurden in Deutschland 9 GW an Kernkraftkapazität abgeschaltet, von 2003 bis 2015 aber auch 8 GW fossile Kapazität (Steinkohle und Gaskraftwerke) hinzugebaut. Deutschland's Kraftwerke sind nach wie vor der bei weitem grösste Emittent von klimaschädlichen Gasen in der EU: Mehr als 300 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Sechs Mal mehr als die gesamten Schweizer Kohlendioxid-Emissionen (Verkehr, Haushalte, Industrie). Hunderttausende Tonnen Schwefeloxide und Stickoxide und um die 7 Tonnen Quecksilber kommen jedes Jahr hinzu. "Dank" der Deutschen Braun- und Steinkohleverstromung. Ist das vielleicht “grün”?

Die Schweizer Initianten verweisen auf Deutschland als gutes Beispiel, scheinbar ohne diese desaströse Klima-Bilanz zu kennen. Energy for Humanity hofft, dass die gleichen Fehler wie in Deutschland nicht auch in der Schweiz gemacht werden. Ein vorschneller Ausstieg aus der Kernenergie und ein blindes Nachahmen der deutschen Energiepolitik ist unvernünftig und schadet dem Klima.

 

Bundesrätin Leuthard: «Atomausstiegsinitiative schafft grosse Probleme»

Der Bundesrat hat heute an einer Medienkonferenz festgehalten, dass die Atomausstiegsinitiative gefährlich ist und abgelehnt werden muss. Sie würde zu einer zu einer übereilten Abschaltung der Schweizer Kernkraftwerke führen. Bereits im kommenden Jahr müssten drei der fünf Kernkraftwerke endgültig abgeschaltet werden. Der wegfallende Strom könnte nicht rasch genug mit Schweizer Strom aus erneuerbaren Energien ersetzt werden, sagte UVEK-Vorsteherin Doris Leuthard. Bundesrat und Parlament empfehlen, die Atomausstiegsinitiative aus folgenden Gründen abzulehnen:

  • Eine politisch gesetzte Befristung ist falsch. Massgebend ist die Sicherheit.
  • Die Abschaltfrist ist zu knapp: Der Ausbau der einheimischen Erneuerbaren braucht Zeit.
  • Mehr Importe aus umweltbelastender Stromproduktion wären die Folge.
  • Die Abhängigkeit vom Ausland nähme zu und die Versorgungssicherheit würde gefährdet.
  • Die Initiative birgt finanzielle Risiken für Bund und Steuerzahlende.

Auch die Energiedirektorenkonferenz der Kantone (EnDK) lehnt die Initiative ab.

Link zur Medienmitteilung

Link zum Video der Medienkonferenz

NZZ am Sonntag: "Gehört die Zukunft dem Atomstrom?"

Die Artikel der NZZ am Sonntag-Redaktoren Kathrin Alder und Andreas Hirstein zeigen eindrücklich, warum am 27. November die Atomausstiegsinitiative unbedingt abgelehnt werden sollte und ein Technologieverbot verhindert werden muss. Die zukünftige Kernkraft hat ein immenses Potenzial und kann Teil der Lösung unseres Energie-Problems sein. Forscher entwickeln eine neue Generation von AKW. Im Mittelpunkt: Der Flüssigsalzreaktor und Thorium. Die neuen Reaktortypen werden sicherer sein als heutige Kernkraftwerke und 10‘000-mal weniger Abfall produzieren. Warum sich dem Fortschritt und solchen Möglichkeiten unnötig verschliessen?

Hier können Sie die pdf-Dateien downloaden:
Titelseite: "Gehört die Zukunft dem Atomstrom?"
Seite 13: "Viel Kohle für Atomstrom"
Seite 53 & 55: "Atomkraft? Ja bitte!"