Eine Kugel Eis für den Klimaschutz

“Deutschland macht es vor, warum soll es nicht auch bei uns gehen?” – Dies war letzte Woche in der Zeitung als Tenor der Befürworter der Schweizer Atomausstiegsinitiative zu lesen.

Was genau macht Deutschland denn mit der Energiewende vor? Leider nichts gutes: Desaströse Planung, völlig aus dem Ruder laufende Kosten und einen weiterhin klimaschädlichen Strommix.

"Es bleibt dabei, dass die Förderung erneuerbarer Energien einen durchschnittlichen Haushalt nur rund 1 Euro im Monat kostet - so viel wie eine Kugel Eis" versprach Jürgen Trittin noch im Jahre 2004 (Quelle: BUMB). Teilt man die EEG Förderung von derzeit 23 Mrd. EUR pro Jahr durch die 40 Millionen Haushalte in Deutschland kommt man auf 48 EUR pro Monat. Eine ziemlich teure Kugel Eis!

"Die EEG-Umlage soll nicht über ihre heutige Größenordnung hinaus steigen; heute liegt sie bei etwa 3,5 Cent pro Kilowattstunde" verkündet Angela Merkel in Ihrer Regierungserklärung 2011. Für 2017, sechs Jahre später, rechnet die Organisation Agora Energiewende bereits mit dem Doppelten (7 ct./kWh). Das Institut der Wirtschaft in Köln rechnet in einer kürzlich erschienenen Studie gar mit einem Anstieg auf bis zu 10 ct./kWh in den kommenden Jahren. Mehr als das doppelte des derzeitigen Strommarktpreises. Die Endkunden – untere und mittlere Einkommensschichten - müssen am meisten bluten.

In Bezug auf die Gesamtkosten wurde schon 2013 die Zahl von einer Billion Euro ins Spiel gebracht. Eine Million Millionen. Dies wird wohl nicht reichen. Gemäss einem Artikel in der gestrigen Zeitung Die Welt werden die Kosten der Energiewende bis 2025 bereits mindestens 520 Milliarden EUR betragen.

Kosten sind aber zweitrangig beim Umweltschutz, wird entgegnet. Gut, dann schauen wir doch, was unabhängig von diesen Kosten erreicht wurde: Mehr Klimaschutz? Weniger fossile Kraftwerke? Fehlanzeige. Nach 2011 wurden in Deutschland 9 GW an Kernkraftkapazität abgeschaltet, von 2003 bis 2015 aber auch 8 GW fossile Kapazität (Steinkohle und Gaskraftwerke) hinzugebaut. Deutschland's Kraftwerke sind nach wie vor der bei weitem grösste Emittent von klimaschädlichen Gasen in der EU: Mehr als 300 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Sechs Mal mehr als die gesamten Schweizer Kohlendioxid-Emissionen (Verkehr, Haushalte, Industrie). Hunderttausende Tonnen Schwefeloxide und Stickoxide und um die 7 Tonnen Quecksilber kommen jedes Jahr hinzu. "Dank" der Deutschen Braun- und Steinkohleverstromung. Ist das vielleicht “grün”?

Die Schweizer Initianten verweisen auf Deutschland als gutes Beispiel, scheinbar ohne diese desaströse Klima-Bilanz zu kennen. Energy for Humanity hofft, dass die gleichen Fehler wie in Deutschland nicht auch in der Schweiz gemacht werden. Ein vorschneller Ausstieg aus der Kernenergie und ein blindes Nachahmen der deutschen Energiepolitik ist unvernünftig und schadet dem Klima.